
Ausbau der europäisch-japanischen Handelsbeziehungen
Am 1. Februar 2019 bildeten Europa und Japan die größte Freihandelszone der Welt. Das als Japan-EU-Freihandelsabkommen (JEFTA) bezeichnete Abkommen wird in den nächsten Jahren schrittweise Zölle und Handelshemmnisse beseitigen. In der Endphase der Verhandlungen zu dem Wirtschaftspartnerschaftsabkommen standen vor allem der Export von Agrarprodukten aus der EU nach Japan und der Eintritt japanischer Automobilhersteller in den europäischen Markt im Mittelpunkt. Laut den gefundenen Kompromissen will Japan z.B. die Zölle für viele Käse wie Gouda und Cheddar in den kommenden 15 Jahren sukzessive von damals 29,8 Prozent vollständig abbauen. Damit bekommen nun 31.000 Tonnen Weichkäse und in fast unbegrenzter Menge Hartkäse und Molke, die im rasch wachsenden Markt für Proteinshakes gebraucht wird, Zugang zum japanischen Markt.
Beim Fleischhandel sollen die Zölle für Schweinefleisch innerhalb von 10 Jahren von 19 Prozent auf Null gesenkt werden. Dabei soll es eine zollfreie Ausfuhr von verarbeitetem Fleisch und eine nahezu zollfreie Ausfuhr von Frischfleisch geben. Für Rindfleisch sollen die Zölle von 38,5 Prozent auf 9 Prozent innerhalb von 15 Jahren abgebaut werden, welches der EU erlauben wird, seine Ausfuhren nach Japan erheblich zu steigern. Auch für Wein sollen die Zölle für den Export nach Japan von damals 15 Prozent auf Null sinken. Außerdem soll es einen Schutz für mehr als 200 hochwertige europäische Agrarerzeugnisse (geografische Angaben) in Japan geben. Die EU verspricht sich von dem Abkommen eine Liberalisierung von 85 Prozent der Agrarausfuhren nach Japan. Im Gegenzug akzeptiert die japanische Autoindustrie, dass der Einfuhrzoll in Europa auf japanische Fahrzeuge von derzeit zehn Prozent erst nach sieben Jahren komplett wegfällt. Der ungehinderte Zugang japanischer Automobilhersteller zum europäischen Markt ist eine lange gehegte Forderung Japans.
Die Vereinbarung öffnet auch den Markt für Dienstleistungen, insbesondere für Finanzdienstleistungen, E-Kommerz, Telekommunikation und Verkehr. Sie garantiert Unternehmen aus der EU Zugang zum großen öffentlichen japanischen Beschaffungsmarkt in 48 großen Städten, und beseitigt Hindernisse bei der Beschaffung auf nationaler Ebene im wirtschaftlich wichtigen Eisenbahnsektor. Für den Landwirtschafts- und Automobilsektor bedeutete die erzielte Einigung einen einschneidenden Umbruch. Die deutsche Wirtschaft begrüßt das Abkommen und sieht im Handel mit Japan für beide Seiten Vorteile und auf deutscher Seite bei einem derzeitigen Handelsvolumen von 40 Milliarden Euro noch ein deutliches Wachstumspotential.
Von dem erzielten Ergebnis geht ein wichtiges politisches Signal an die restlichen Handelsnationen in der Welt aus. Nach dem Abbruch der Verhandlungen über das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP und dem Nichtzustandekommen des Abkommens über eine transpazifische Freihandelszone TPP ebenfalls wegen des daran beteiligten Partners USA setzt JEFTA entscheidende Impulse nicht nur für eine wirtschaftliche sondern auch eine politisch vertiefte Partnerschaft zwischen beiden Handelsräumen.
